Biografie von Rudolf Kassner (1873-1959)

1892 Studium in Wien: Germanistik, Latein und Philosophie.1895-1896 An der Universität Berlin Studium der Nationalökonomie, Geschichte und Philosophie. Kassner hört u.a. Vorlesungen beim Historiker Heinrich von Treitschke. Er begeistert sich für die Welt des Theaters, das eine wichtige Basis für seine Überlegungen zur Rolle des Schauspielers und seine physiognomischen Auffassungen bilden wird. Im Jahr 1896 Rückkehr nach Wien, wo er seine Dissertation Der ewige Jude in der Dichtung abschließt. Promotion 1897.

1897-1898 Aufenthalt in England (London und Oxford).

1900 Bei einem Paris-Aufenthalt entdeckt er – seiner Zeit sehr voran – Cézanne. Begegnung mit André Gide, dessen «Philoktet» er übersetzt.
Veröffentlichung von «Die Mystik, die Künstler und das Leben». Bedeutende Werke über englische Dichtung.

1902 Begegnung mit Hugo von Hofmannsthal.

1905-1911 Reisen in Nordafrika, Indien, Russland, Turkestan.
Veröffentlichungen: «Der indische Idealismus», «Die Elemente der menschlichen Größe».

1907 Begegnung mit Rainer Maria Rilke.

1914-1919 Kassner wohnt in Wien, wo er 1914 Marianne Eissler heiratet. Während der Kriegsjahre studiert Kassner Mathematik und Physik. Es ist die Zeit, in der Einsteins Arbeiten und grundlegende mathematische Schriften erscheinen. Begegnung mit Einstein in Wien.
Häufige Reisen führen ihn nach Berlin, wo er Georg Simmel, Gerhart Hauptmann und Walter Rathenau begegnet.

1919 Von 1919 an Freundschaft mit Charles Du Bos, André Gide und Paul Valéry.

1923 Kassner fährt ins Wallis. Im Lauf dieses kurzen Aufenthalts trifft er sich mit seinem Freund Rainer Maria Rilke.

1924-1931 Reise nach Rom und danach jährliche Reise nach Paris.

1938 Beginn der «dritten Schaffensperiode» (nach Kassners eigenen Worten) am Vorabend des Zweiten Weltkriegs.

1945-1946 Durch Vermittlung von Schweizer Freunden lässt sich Kassner in Sierre (Wallis) nieder; er unterrichtet an der Universität Zürich.

1947 Vom 10. September 1947 bis zu seinem Tod am 1. April 1959 wohnt Kassner als Dauergast im Hôtel Château Bellevue in Sierre.

1949 Gottfried-Keller-Preis.

1955 Schiller-Preis der Stadt Stuttgart, im Besonderen für sein Werk «Der Zauberer».

1957 Die Universität Zürich verleiht ihm die Würde eines Ehrendoktors.

1959 Rudolf Kassner stirbt am 1. April nach langer Krankheit. Seine Grabstätte hat sich im Friedhof von Sierre erhalten.