Masterclass Rilke

Bericht über die zweite Masterclass Rilke (MCR), Fondation Rilke, 12.-16.8.2018

Geleitet von Prof. Dr. Christoph König (Universität Osnabrück)

Die Lektüre der Werke Rilkes steht im Zentrum der „Masterclass Rilke“, die Christoph König (Universität Osnabrück) initiiert hat und leitet. Die Frage „Wie Rilke lesen?“ gründet auf einer Solidarität mit dem Werk, einer regelrecht ethischen Entscheidung: Man liest, um die Kreativität und den Sinn der Gedichte, der Prosaschriften, der Übersetzungen Rilkes zu verstehen und zu verteidigen. Das ist heute nicht selbstverständlich. Ein Lesen wird eingeübt, das sich der eigenen Voraussetzungen ständig bewusst ist – Voraussetzungen, die in bestimmten methodischen Gewohnheiten liegen oder in Wertvorstellungen, die jeder Leser mitbringt. Das Ziel dieser insistierenden, gemeinsamen Lektüre besteht darin, die Besonderheit und Individualität eines jeden Werks zu erfassen und auszudrücken.

Im Mittelpunkt der zweiten Masterclass im Jahr 2018 standen die Gedichtzyklen ›Duineser Elegien‹ und ›Die Sonette an Orpheus‹ sowie der ›Cornet‹. Zur Frage „Wie Rilke lesen?“ trat die Frage: »Wie liest Celan Rilke?«, um die wechselseitige Abhängigkeit der beiden Autoren zu analysieren, von der Jean Bollack spricht: »Ohne Rilke kein Celan, ohne Celan aber auch kein Rilke.« Von Paul Celan wurden die Büchner-Preisrede ›Der Meridian‹ und der Gedichtband ›Die Niemandsrose‹ gelesen. Die Freiheit der poetischen Werke gegenüber ihren Voraussetzungen stand ebenso im Mittelpunkt wie die Interpretationsgeschichte von Rilkes und Celans Werken seit den Anfängen. Die Teilnehmer setzten so ihre eigenen methodischen Annahmen und Resultate in ein großes Gespräch mit anderen Lesern aus der Forschungsgeschichte.

An der Masterclass Rilke 2018 nahmen sieben Studentinnen und Studenten der Germanistik und der Philosophie aus sechs Ländern teil: Daniel Carranza (Chicago), Oliver Grütter (Zürich), Tamar Gutfeld (Jerusalem), Tobias Lebens (Erfurt), Christopher Lukmann (Strasbourg), Laura Marie Pohlmann (Osnabrück) und Ana-Maria Schlupp (Berlin). Sie waren nach einer internationalen Ausschreibung der MCR sorgfältig ausgewählt worden.

Das Programm aus Vorträgen des Leiters der Masterclass, gemeinsamer Lektüre und Bibliotheksstudien (in der Rilke-Bibliothek der Fondation Rilke) zielte auf eine öffentliche Abendveranstaltung am letzten Tag, zu der alle Mitglieder jeweils einen kurzen Vortrag hielten, den sie – in enger Diskussion mit Christoph König – in den drei Tagen ausgearbeitet hatten. Besuche im Garten des Chateau Muzot und des Grabes von Rilke in Raron beschlossen die schönen Tage.

MASTERCLASS RILKE 2017
Bericht über die Masterclass 2017

 

 


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